

Welcher Lehrer kennt es nicht, das Gefühl, einen Schüler, der ständig Ärger macht, wochenlang die Schule schwänzt oder in fast jeder Pause in eine Prügelei verwickelt ist, manchmal schon gar nicht mehr sehen zu wollen? Warum Pädagogen dennoch immer für diese Schüler "da sein" sollten, zeigt ein neues Konzept von Haim Omer, das auf Nähe und Präsenz sowie die Fortdauer von Beziehungen bei gleichzeitiger Ablehnung
bestimmter destruktiver Verhaltensweisen setzt. Erfolgreiche Konzepte zur Gewaltprävention an Schulen und in der Jugendhilfe wie dieses Konzept der "Neuen Autorität" lernten am Donnerstag rund 130 pädagogische Fachkräfte aus Schule und Jugendhilfe bei der 12. Münsteraner Konflikttagung des Netzwerks Gewaltprävention & Konfliktregelung Münster im Stadtweinhaus kennen. Das Netzwerk bietet Hilfe und Informationen bei Ausgrenzungen, Vorurteilen und Rassismus und setzt sich für mehr Vertrauen, gegenseitigen Respekt und Eigenverantwortung ein.
Bei der Fachtagung 2011 ging es in Vorträgen und Workshops um das Thema "Trotz Konflikten... in Kontakt bleiben!" Federführend organisiert wurde die Fachtagung von Kirsten Rolf vom Arbeitskreis Konstruktive Konfliktkultur (akkku) e.V. Münster. Gefördert wurde die Veranstaltung vom Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, vom Amt für Schule und Weiterbildung und vom Kriminalpräventiven Rat der Stadt Münster. Schirmherr war der münstersche Oberbürgermeister Markus Lewe. Bundesweit werden täglich 250 Schüler bei Konflikten verletzt, erklärte Michael Geringhoff, Leiter des Jugendinformations- und -bildungszentrums (Jib) der Stadt Münster. Die Zahl der Verletzten sei in den vergangenen Jahren zwar gesunken, doch die Schwere der Fälle nimmt zu. So wird nachgetreten, auch wenn jemand bereits am Boden liegt.
Daher stellten die Mitglieder des Netzwerks den Teilnehmern nun verschiedene Mög-lichkeiten, Methoden und Konzepte vor, ihre Handlungsoptionen im Schulalltag zu erweitern. Die Osnabrücker Sozialpädagogin Ruth Tillner ging zu Beginn in ihrem Impulsvortrag auf das Thema "Ich bin da, auch wenn es schwierig wird" ein. Dabei rief sie alle erziehenden Erwachsenen von den Eltern bis zu den Lehrern dazu auf, "verlorengegangene Präsenz wieder her zu stellen oder auszubauen." Sie sollten mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben und "da sein, auch wenn es brenzlig wird" und ihnen vor allem Schutz gewähren. Präsenz bedeute hierbei allerdings keine Methode zur (Wieder-)-erlangung der von Furcht und Distanz geprägten traditionellen Autorität. Viel-mehr wird sie als Haltung verstanden, die die Grundlage für die durch Nähe und Präsenz überzeugende "Neue Autorität" bildet. Anhand von Beispielen aus Schule und Alltag zeigte Tillner, wie sich Eskalationsdynamiken durch das auf Nähe und wachsame Sorge setzend Konzept unterbrechen lassen. So sollten Schulverweigerer statt mit Ironie mit warmen Begrüßungsworten an der Schultür willkommen geheißen werden. Nachbarn und Jugendgruppen könnten gemeinsam bei Spaziergängen
durchs Viertel nach Lösungen für Vandalismus und nächtliche Ruhestörungen suchen. Und prügelnde Schüler könnten dazu verpflichtet werden, sich in den Pausen alle drei Minuten bei der Pausenaufsicht zu melden, um dort ihren Laufzettel abzeichnen zu lassen. Tipps zum Lösen spezieller Konflikte - von sexualisierter Gewalt über Cybermobbing bis zum Satanismus - gab es in den anschließenden Workshops.
„Trotz Konflikten... in Kontakt bleiben! Erfolgreiche Konzepte der Gewaltprävention an Schulen und in der Jugendhilfe“ – so das Motto der 12. Münsteraner Konflikttagung des Netzwerks Gewaltprävention & Konfliktregelung Münster. Sie findet am Donnerstag 17. November von 9 bis 16 Uhr im Stadtweinhaus am Prinzipalmarkt 8–9 statt.
"Ein beziehungsreicher Kontakt zu Kindern und Jugendlichen bildet die Basis unseres pädagogischen Handelns im Alltag", weiß Michael Geringhoff, Leiter des Jugendinformations- und -bildungszentrums (Jib) der Stadt Münster. Doch besonders in schwierigen und konfliktreichen Situationen wird die Tragfähigkeit der Beziehung auf die Probe gestellt. "Wie es gelingen kann, trotz Konflikten in Kontakt zu bleiben, soll daher der Schwerpunkt unserer diesjährigen Konflikttagung sein", erklärt Organisatorin Kirsten Rolf vom akkku e.V. Münster. Die Tagung richtet sich insbesondere an pädagogische Fachkräfte in Schule und Jugendhilfe.
Zu Beginn gibt es einen Impulsvortrag der Osnabrücker Sozialpädagogin Ruth Tillner zum Thema "Ich bin da, auch wenn es schwierig wird." In 12 verschiedenen Workshops, die allesamt von Mitgliedern der Netzwerkinstitutionen geleitet werden, werden anschließend Möglichkeiten, Methoden und Konzepte vorgestellt, die die Handlungsoptionen im (Schul-) Alltag erweitern können und hilfreich sind. Nicole M. Gerlach (Gewalt Akademie Villigst) lädt das Fachpublikum zur Reflexion des eigenen beruflichen Handelns und zum Entwickeln von Handlungsalternativen in schwierigen Situationen ein. Lioba Schroers (Schulpsychologie Münster) gibt Auskunft darüber, was zu tun ist, wenn Internet-Kontakte zu Konflikten führen. Auf die Einbeziehung des Offenen Ganztags und "faires Streiten" bei unruhigen, aggressiven und verstörten Grundschülern setzt Sieglinde Willms (Konfliktarbeit Haus Kloppenburg). "Satanismus: Spinnerei oder Gefahr?" fragt Brigitte Hahn (Bistum Münster). Cäcilia Rempe (Deutscher Kinderschutzbund Münster) stellt Übungen zur Lösung von Konflikten zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften auf der Basis des Elternkurses „Starke Eltern - starke Kinder“ vor. Ein Deeskalationstraining, das sich mit Grenzen und Regeln in der Arbeit mit Kindern ab 10 Jahren beschäftigt, zeigen Katja Grünewald und Marion Henkensiefken (VIP Münster). Andreas Raude (asb – arbeitskreis soziale bildung und beratung e.V.) führt in systemische Arbeitsweisen bei Mobbing und Konflikten ein. Einblicke in die schulischen Infoveranstaltungen zum Thema sexualisierte Gewalt und sexueller Missbrauch ab Klasse 8 geben der Christoph Muck und Christine Gelbhardt (Zartbitter Münster e.V.). Einen handlungsorientierten Workshop zum Umgang mit gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen unter dem Motto „Stärker ohne Gewalt“ bietet der Michael Geringhoff (Jib, Stadt Münster) an. "Schwul mich nicht an - Homophobie (k)ein Thema in der Schule?" ist Thema von Beate Martin und Andreas Häner (pro familia Münster). Andreas Moorkamp (SKM Münster) beschäftigt sich mit der Kontakt- und Beziehungsgestaltung in der Arbeit mit gewaltbereiten/gewalttätigen Kindern und Jugendlichen. "Mann" muss anders über sich denken, um anders handeln zu können, sagt der Manfred Hardt (Diakonie Münster - Beratungs- und BildungsCentrum) und zeigt Beratungsmöglichkeiten für gewaltbereite Männer auf.
Gefördert wird die Konflikttagung vom Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, dem Amt für Schule und Weiterbildung und dem Kriminalpräventivem Rat der Stadt Münster. Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Markus Lewe übernommen.
Alle weiteren Infos zur Anmeldung und zu den Workshops finden Sie auf dieser Webseite unter dem Menüpunkt Tagung 2011.
Die Werbegemeinschaft Kinderhaus ist neuer Bündnispartner der bundesweiten „Aktion Noteingang.“ Um Bündnispartner werden zu können, hatten elf Mitglieder der Werbegemeinschaft in der vergangenen Woche an
einer Schulung des Netzwerk Gewaltprävention und Konfliktregelung Münster teilgenommen. Einen Vormittag lang lernten die Geschäftsleute
dabei, wie sie Menschen in Bedrohungs- oder Gewaltsituationen Schutzräume bieten können ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
Am Freitag konnten die ersten "Noteingang-Aufkleber" an den Türen von acht Geschäften rund um den Idenbrockplatz angebracht werden. Darunter sind Geschäfte von der Apotheke bis zum Zeitschriften-Laden. Angeboten wurde das dreistündige Training vom „Netzwerk Gewaltprävention und Konfliktregelung Münster.“ Koordiniert wird die "Aktion Noteingang" in Münster von Michael Geringhoff vom Jib, einer
Einrichtung des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster. Geschult wurden die Kaufleute von Netzwerk-Partnern wie Reinhard Zumdick vom Kommissariat Vorbeugung des Polizeipräsidiums
Münster und den Anti-Gewalt-Trainern Olaf Schawe und Petra Wilde und Christiane Gelbhardt von Zartbitter.
Die Kinderhauser Brillen-Fachgeschäftsinhaberin Karin Bell zeigte sich hellauf begeistert von dieser Schulung. Sie lernte beispielsweise, wie wirkungsvoll bereits simple "Stopp-Gesten" sein können, damit Konflikte unter Kindern und Jugendlichen nicht eskalieren. Daher rät sie allen Münsteraner Kaufleuten, es den Vorreitern von der Kinderhauser Werbegemeinschaft gleich zu tun und sich ebenfalls schulen zu lassen.
Denn: "Es lohnt sich, diese Arbeitszeit zu investieren", ist sich auch Werbegemeinschaftsvorsitzender Berthold Ostlinning sicher. Damit die Kinderhauser Kaufleute ihr Wissen vertiefen können und auch ihre Mitarbeiter auf mögliche Konflikte besser vorbereitet sind, wünschen sich die Kinderhauser eine monatliche Rollenspiel-Übungsstunde. Gerne im Kinderhauser "Wuddi", einer weiteren Einrichtung des Jugendamtes, die laut Wuddi-Leiter Dieter Schmitz bereits seit vielen Jahren "Noteingangs"-Partner ist. Vereine, Institutionen, Ämter und Initiativen aus anderen münsterschen Stadtteilen, die ebenfalls gewalttätigen, antisemitischen, rassistischen und diskriminierenden Angriffen vorbeugen möchten, können sich an das Jib wenden. Sie werden kostenlos in Theorie und Praxis geschult und erhalten viele konkrete Verhaltenstipps sowie Infomaterialien und mehrsprachige Noteingang-Aufkleber für ihre Ladenlokale oder Einrichtungen.